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Humboldt-Universität zu Berlin - Deutsch

Humboldt-Universität zu Berlin | Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung | 10. ReWoven – Refugee Women and (psychosocial) volunteer engagement

10. ReWoven – Refugee Women and (psychosocial) volunteer engagement

Mit dem hohen Aufkommen neu ankommender Geflüchteter in Deutschland steigt im psychosozialen Bereich die Nachfrage von Institutionen und Trägern hinsichtlich der Unterstützung, Beratung und Supervision im Umgang mit seelischen Belastungen und Traumata in Erst- und Notunterkünften. Dabei wird zunehmend ein Bedarf einerseits bei besonders schutzbedürftigen Geflüchteten, beispielsweise Frauen, und andererseits bei ehrenamtlichen Helferinnen benannt. Das dialogisch aufgebaute Forschungs-Interventionsprojekt reWoven richtet sich daher an geflüchtete und ehrenamtliche Frauen, um diese zwei Bedarfe zusammenzuführen und die Beziehungsgestaltung zwischen beiden Gruppen zu explorieren, mit dem Ziel, vorhandene Ressourcen in der gegenseitigen Begegnung krisenpräventiv zu stärken.

Ein weiteres Ziel des Projekts ist es, Prozesse der Verständigung und Solidarisierung von ehrenamtlichen Helferinnen mit geflüchteten Frauen zu analysieren. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf möglichen Konflikten und Schwierigkeiten in der Beziehungsgestaltung, die aufgegriffen und bearbeitet werden, um praxisnahe Interventionen und entsprechende Empfehlungen von psychosozialen Unterstützungsangeboten zu entwickeln.

Vorgehen

Im Rahmen einer explorierenden Feldforschung wurden zunächst verschiedene Berliner Flüchtlingsunterkünfte und Ehrenamtsinitiativen kontaktiert und zur Rekrutierung von Interviewpartnerinnen besucht. Aus Hintergrundgesprächen und der Sichtung bestehender Literatur wurden Interviewleitfäden entwickelt. In der folgenden Projektphase wurden 16 ehrenamtliche Frauen, deren Angebote sich dezidiert an geflüchtete Frauen richten, sowie 16 geflüchtete Frauen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak in Erst- und Notunterkünften interviewt. In den semistrukturierten Interviews wurden folgende Themen untersucht: Welche Erwartungen haben geflüchtete Frauen an ehrenamtliche Helferinnen – und umgekehrt? Welche Hilfe nehmen geflüchtete Frauen in Anspruch, an welchen Angeboten mangelt es? Wie gehen ehrenamtliche Helferinnen mit eigenen Belastungen angesichts der Arbeit mit geflüchteten Frauen mit einem Schwerpunkt auf Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen um? Welche Konflikte können in diesen Begegnungen entstehen und wie können diese in den Beziehungen dialogisch bearbeitet werden?

Die Interviews wurden durch vergleichende Interpretationen von Textsequenzen durch die Forscherinnen qualitativ ausgewertet. Die kulturelle Diversität des Teams wurde dezidiert genutzt, um die Interviewinhalte hinsichtlich kultureller Vorverständnisse und Kontextwissens zu diskutieren.

In der letzten Projektphase wurden geflüchtete und ehrenamtliche Frauen eingeladen, an einer fortlaufenden Dialoggruppe teilzunehmen. In der Gruppe wurden Fragen der gegenseitigen Wahrnehmung, Beziehungsgestaltung und Erfahrungen geschlechtsspezifischer Gewalt und Diskriminierung in einem für beide Zielgruppen sicheren Rahmen bearbeitet. In einem offenen Dialog über frauenspezifische Erfahrungen gelang es, belastende und potentiell traumatisierende Erfahrungen besprechbar werden zu lassen und gemeinsam, Möglichkeiten der Partizipation zu entwickeln.

Die Forschungsergebnisse werden in Form von Handlungsempfehlungen zugänglich gemacht werden. Die Auswertung der Dialoggruppe wird in der Entwicklung von Supervisionselementen für die Begleitung und Unterstützung ehrenamtlicher Helferinnen münden.

 

Weitere Informationen zu diesem und weiteren Projekten der psychosozialen Versorgung von Geflüchteten finden Sie hier: http://perspektiven-pvg.de/projekt-3/

 

Hören Sie hier ein Gespräch zwischen Dr. Ulrike Kluge und Judith Strasser sowie Eindrücke der Teilnehmerinnen an den Dialoggruppen im Rahmen des Projekts ReWoven