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Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung

Humboldt-Universität zu Berlin | Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung | 14. Digitalisierung und selbstorganisierte migrantische Logistik

Digitalisierung und selbstorganisierte migrantische Logistik

Während in medialen Debatten der Besitz von Smartphones häufig Anlass für das Schüren von Ressentiments gegen Geflüchtete war, sind explizite und implizite Aneignungsprozesse von mobilen Medien während der Flucht in Erfahrungsberichten und den wenigen bestehenden wissenschaftlichen Arbeiten erwiesen: Das Smartphone fungiert als mobiler Fluchthelfer mit differenzierten und individuellen Nutzungsmustern. Seine Funktionen im Bereich der Navigation, Übersetzung, Kommunikation mit Heimat- und Ankunftsland, Informationsbeschaffung, etc. sind mittlerweile unverzichtbar für transnationale Prozesse der Migration.

In diesem Projekt wird die Rolle von mobilen und sozialen Medien als Selbstermächtigungsinstrument für Geflüchtete untersucht. In einem ersten Schritt wurden 17 qualitative Interviews mit geflüchteten Frauen und Männern aus Syrien, dem Irak und Afghanistan zwischen 16 und 38 Jahren zu ihrer Mediennutzung durchgeführt, um die spezifischen  Nutzungsmuster im Fluchtprozess herauszuarbeiten. Hierbei wurde auch die bisherigen Mediennutzungsgewohnheiten aus den Ursprungsländern berücksichtigt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Nutzung nach der Ankunft in Deutschland.

In einem zweiten Schritt wird darauf aufbauend ein quantitativer Fragebogen zur Bekanntheit und Nutzung verschiedener Apps erstellt, der an ca. 100 Befragte in Notunterkünften und Erstaufnahmerichtungen verteilt wird. 

In der Datenauswertung wird untersucht, auf welche Arten Geflüchtete Smartphones während der Flucht und nach ihrer Ankunft in Deutschland nutzen, um Strukturen der Autonomie zu erschaffen, die beispielsweise zur Bewältigung konkreter Probleme wie Sprachbarrieren, Orientierung oder Behördengänge dienen. Ziel ist es, ein Verständnis postmigrantischen Mediennutzungsverhaltens zu entwickeln und die digitalen Handlungsspielräume Geflüchteter in Deutschland zu verbessern.

 

Unter Einblicke finden Sie eine Karte entlang einer beispielhaften Migrationsroute mit Zitaten der interviewten Geflüchteten bezüglich ihrer Mediennutzung vor, während und nach der Flucht