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▼ Zielgruppen ▼

Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung

Subtile Vorurteile

Angesichts internationaler Migration und aktueller Fluchtbewegungen nach Europa und Deutschland, stellen Vorurteile gegenüber bestimmten Migrant_innengruppen und Geflüchteten auf Seiten der „Mehrheitsgesellschaft” eine Gefährdung für Integration im Sinne gleichberechtigter Teilhabechancen dar.

Doch wie treten diese Vorurteile zutage? In der sozialpsychologischen und sozialwissenschaftlichen Forschung ist es ein zentraler Befund, dass die Akzeptanz von offen rassistischen Vorurteilen im Zuge von Veränderungen sozialer Normen über die letzten Jahrzehnte deutlich abgenommen hat. Die Schlussfolgerung daraus ist aber nicht, dass Ressentiments gegenüber unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen damit überwunden sind, sondern dass sie in anderen, subtileren Erscheinungsformen auftreten. Diese subtilen Formen von Vorurteilen können dabei insofern besonders negative Konsequenzen für die betroffenen Personengruppen haben, weil sie eben nicht als solche enttarnt, sondern weitgehend sozial akzeptiert werden. Eine Reihe von Ansätzen, vor allem in der Sozialpsychologie, haben sich seit den 1980er Jahren im US-amerikanischen und im europäischen Kontext diesen neueren Formen rassistischer Vorurteile gewidmet (Gaertner & Dovidio, 1986; Henry & Sears, 2002; Katz & Hass, 1988; McConahay, 1986; McConahay et al., 1981; Pettigrew & Meertens, 1995) wobei auch eine Reihe von Skalen zur Erhebung ebendieser entwickelt wurden. Doch was genau die Subtilität eines Vorurteils ausmacht und wie diese messbar ist wurde bislang nur unzureichend beantwortet.

Das vorliegende Projekt widmet sich dieser Fragestellung, wobei zwei Punkte den Kern der Untersuchung ausmachen. Zum einen soll eine Möglichkeit zur empirischen Operationalisierbarkeit „subtiler Vorurteile” gegenüber unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen untersucht werden, die auf einer zweidimensionale Definition fußt: einerseits (wie bislang üblich) der Zustimmung zu bestimmten Vorurteilen und andererseits dem Erkennen von Vorurteilen als solche (Awareness). Zum anderen soll untersucht werden, welche Eigenschaften ein subtiles Vorurteil charakterisieren und inwieweit die Art des inhaltlich-semantischen Framings die Subtilität eines Vorurteils bestimmt.

Studienablauf

Innerhalb einer Telefonbefragung mit einem ca. 20-minütigen Fragebogen wird eine bevölkerungsrepräsentativen Zufallsstichprobe von rund 1000 Personen im Hinblick auf diese Fragestellung befragt. Die quantitativ-experimentelle Untersuchung erhebt zum einen den intraindividuellen Zusammenhang zwischen Zustimmung zu bestimmten Vorurteils-Items und deren Einstufung als fremdenfeindlich (Awareness). Zum anderen soll der Einfluss bestimmter Faktoren, entlang derer die Vorurteils-Items variiert wurden, auf Zustimmung und Awareness untersucht werden: Inwiefern hängen diese Bewertungen davon ab, auf welchen gesellschaftlichen Bereich und auf welche Bevölkerungsgruppe die Vorurteile abzielen, bzw. wie die Vorurteile sprachlich formuliert sind. Darüber hinaus werden in der Befragung auch eine Reihe mit Vorurteilen assozierter Persönlichkeitskonstrukte (z.B. Egalitarismus, soziale Dominanzorientierung) sowie sozio-demographische Merkmale der Teilnehmenden erhoben.

Das Projekt soll somit sowohl einen theoretischen als auch methodischen Beitrag zur sozialwissenschaftlichen und sozialpsychologischen Forschung leisten, empirische Daten zur Beschaffenheit und Verbreitung subtiler Vorurteile in Deutschland liefern, sowie Möglichkeiten zum Abbau ebendieser aufzeigen.

 

Lesen Sie hier ein Interview mit Karolina Fetz, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projekt Subtile Vorurteile