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Humboldt-Universität zu Berlin - Deutsch

Pionierinnen der Willkommensgesellschaft. Strukturen und Motive des Engagements für Geflüchtete

Im „langen Sommer der Migration“ wurde in der Bundesrepublik eine Zivilgesellschaft sichtbar, die schnell und unkompliziert die Geflüchteten beim Ankommen unterstützte. Inzwischen sind aus der spontanen Hilfe beeindruckende Strukturen entstanden, die arbeitsteilig, teilweise hochprofessionell und mit viel Engagement längst mehr leisten als Hilfestellungen. Sie sind ein wichtiger Baustein für den sozialen Zusammenhalt in den Kommunen. Doch wie haben sich Engagement und Engagierte verändert? Welche Motivationen treibt das ehrenamtliche Engagement für Geflüchtete an und welche Erfahrungen haben Ehrenamtliche in den vergangenen Monaten gemacht?

Bisher wurden am Berliner Institut für Integrations- und Migrationsforschung in Zusammenarbeit mit dem IMIS in Osnabrück zwei Erhebungen (Karakayali/Kleist 2015 und 2016) durchgeführt. Hier konnten bereits Fragen zu Zusammensetzung des Personenkreises ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer_innen, Motivation der Ehrenamtlichen und strukturellen Bedingungen des Engagements im Laufe der Jahre 2014 (EFA 1) und 2015 (EFA 2) beantworten. Außerdem konnten wir erheben, welche Strukturen sich innerhalb des freiwilligen Engagements für Geflüchtete herausgebildet haben (Hamann et al. 2016)

Weiterhin gilt es nun zu verstehen, welche Effekte dieses Engagement für die Migrationsgesellschaft hat, inwieweit Unterschiede in dem Ausmaß des Engagements mit Geschlechterverhältnissen erklärt werden können und wie sich Prozesse und Ziele innerhalb ehrenamtlicher Initiativen mit der Zeit verändern. Welche Einstellungen, Gefühle, Selbstverständnisse herrschen heute, nach der Welle des Willkommens im Sommer 2015, bei den Ehrenamtlichen, die sich für Geflüchtete engagieren?

Methode

Für das vorliegende Projekt wurden ehrenamtliche Initiativen in Kommunen unterschiedlicher Größen in Sachsen, Brandenburg und Berlin zu diesen Aspekten ihrer Tätigkeit befragt. Fokusgruppen boten die Möglichkeit, Flüchtlingshelfer_innen miteinander ins Gespräch zu bringen und dabei die Formierung von Ansichten, den Austausch von Argumenten und mögliche Kontroversen zu analysieren.  In halbstrukturierten Einzelinterviews konnten zudem persönliche Motivationen, Einstellungen und Wahrnehmungen der eigenen ehrenamtlichen Tätigkeit erfragt werden.

Die Gespräche werden dahingehend analysiert, wie verschiedene Dimensionen der ehrenamtlichen Arbeit mit Geflüchteten von den Engagierten selbst wahrgenommen und voneinander abgegrenzt werden – von der Nothilfe, politischem Aktivismus bis hin zur Gestaltung von Gesellschaft. Von Interesse ist dafür ein Verständnis der Beschreibung der eigenen Tätigkeiten, sowie der gesellschaftlichen, persönlichen und emotionalen Faktoren, die ein langfristiges Engagement begünstigen können.